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BEHIND THE BEAT Producer Podcast

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  • BEHIND THE BEAT Producer Podcast

    Episode 56 mit Tuvaband

    2026-02-08 | 48 min.
    Diese Podcast-Folge widmet sich Tuvaband, die sich auf ihrem aktuellen Album wie gewohnt der Ästhetik des Pop verweigert – ihm aber mit betörenden Songs und einer neuen Offenheit so nahe kommt wie nie zuvor.

    UrsprĂŒnglich wollte ich mit Tuva Hellum MarschhĂ€user nur ĂŒber ihre Stimme sprechen. Die nĂ€mlich ist eine von denen, die man nicht so schnell vergisst. Die aus denen von tausenden anderen SĂ€ngerInnen heraussticht. Die einen schon berĂŒhren wĂŒrde, wenn sie fĂŒr sich alleine stĂŒnde und nicht durch bildhafte Texte und eine tiefe Produktion weiter aufgeladen wĂŒrde.

    Dann aber habe ich es mir anders ĂŒberlegt. Denn in ihrem Projekt Tuvaband dient die Stimme der Norwegerin lediglich als Bindeglied um schwebende Harmonien, ferne Echos und entrĂŒckte Synthis in großen Songs miteinander zu verbinden. Man könnte sogar sagen: Bis zu ihrem aktuellen Album „Seven Ways of Floating” wollte Tuva die Aufmerksamkeit gar nicht auf sich, sondern die Untiefen lenken, die sich in den Arrangements auftun – auf gegen den Strich gebĂŒrstete Beats und Samples aus unzĂ€hligen Sessions, die, teilweise nur wenige Takte kurz, die Musik heimsuchen wie Geister die mit dem Leben noch nicht abgeschlossen haben.

    Eine Auszeit war fĂŒr den Perspektivenwechsel verantwortlich. Nach intensiven Jahren, in denen sich die KĂŒnstlerin in Solo-Alben und experimentellen Kollaborationen austobte, nahm sich Tuva eine kurze Auszeit, hinterfragte ihre Motivationen und beschloss: Von nun an sollten ihre Musik mehr sein als nur persönliche Sinnsuche und Katharsis – sie sollte sich zur Welt hin öffnen. Die Texte, die auf ihrer vorigen LP noch sehr konkret und spezifisch waren, wurden poetischer, die Akkorde durften öfter in Dur baden – TĂŒren in eine Welt, in die man sich zurĂŒckziehen und aus der man Hoffnung, Trost und neue Energie ziehen kann.

    Die Studioarbeit spiegelte die kreative Ausrichtung. Auch wenn wie immer bei Tuvaband nichts so glatt ist wie ein Charts-Hit und die OberflÀchen niemals blankpoliert sind, so bestechen die neuen Songs doch mit einer ungewohnten Direktheit. Ihre Stimme ist immer noch der Mittelpunkt dieser Kompositionen. Doch tÀte man der Musik unrecht, sie nur auf dieses eine Element herunterzubrechen.
  • BEHIND THE BEAT Producer Podcast

    Episode #55 mit Serdal AygĂŒn (SAE)

    2025-12-16 | 1 h 6 min.
    Diese Folge widmet sich Serdal AygĂŒn, der an der SAE MĂŒnchen die Kurse fĂŒr “Music Business” sowie “Electronic & Hip Hop Production” leitet – und dabei Theorie und Praxis immer wieder neu miteinander verbindet.

    Als Tom Misner in Sydney die erste School of Audio Engineering eröffnete, hĂ€tte er sich wohl nie ertrĂ€umt, dass seine Idee schon bald weltweit Fuß fassen wĂŒrde. Heute gibt es 50 Standorte in 23 LĂ€ndern und ist das von ihm angestoßene Konzept oftmals imitiert worden. Misner hat auch nach dem Verkauf der SAE eine spannende persönliche Biographie aufzuweisen – doch wird sein Name wohl fĂŒr immer mit seiner ersten Idee verbunden bleiben.

    Heute erstreckt sich das SAE-Angebot von Johannesburg bis Vancouver, von BogotĂĄ bis Jakarta und deckt damit alle Kontinente ab. Es ist ein Netzwerk, von dem Studierende und Alumni bis heute profitieren und ĂŒber das sie ihr Leben lang in Kontakt bleiben können. Mit Deutschland aber hat die Schule ein besonders enges VerhĂ€ltnis. 1986 war MĂŒnchen der erste nichtenglischsprachige Standort der SAE und inzwischen gibt es Schulen in Berlin, Bochum, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, MĂŒnchen, NĂŒrnberg und Stuttgart – es ist das grĂ¶ĂŸte nationale Angebot ĂŒberhaupt.

    Auch Serdal AygĂŒns SAE-Werdegang begann in MĂŒnchen, wo er heute “Head Instructor fĂŒr Music Business & Electronic & Hip Hop Music Production” ist und Kurse wie “Hip Hop & RnB Producer” oder “Sound Selling” anbietet, die von der technischen Studioarbeit bis hin zu kreativen Selbstvermarktungsstragien die komplette Bandbreite des MusikgeschĂ€fts abdecken. Doch ist sein Werdegang so international und bunt wie das des Instituts, reicht von einem Praktikum beim Rap-Label Slip & Slide ĂŒber Produzenten-Jobs bis hin zu seinem neuen, eigenen Projekt MondTag.

    Diese Vielfalt will auch die SAE seinen Studenten anbieten und sie dazu ermĂ€chtigen ihren eigenen Sound zu finden und umzusetzen – in einem Umfeld, in dem man Zugriff auf die angesagteste Technologie und Kontakt zu gleichermaßen leidenschaftlichen Kreativen hat. Man stellt sich eine Uni oft noch immer als ein GebĂ€ude mit HörsĂ€len und Vorlesungen vor, denkt an Semester gefĂŒllt mit trockener Theorie und pausenlosem Pauken. Nichts könnte der Wahrheit hier ferner sein.
  • BEHIND THE BEAT Producer Podcast

    Episode #54 mit Tom Cosm (Orchid)

    2025-12-10 | 51 min.
    Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-GesprĂ€ch. Diese Folge widmet sich Tom Cosm, der zusammen mit Tame Impala den Orchid entwickelt hat – einen unglaublich formschönen Akkordsynth fĂŒr komplexere, schönere und ĂŒberraschendere Harmonien.

    Das Angebot fĂŒr eine Kollaboration von Kevin Parker kam fĂŒr Tom Cosm völlig unerwartet. Cosm hatte sich jahrelang vornehmlich mit seinem technologischen Know-How einen Namen gemacht. Parker jedoch schrieb ihn auf Instagram an, um gemeinsam einen innovativen Harmoniegenerator zu entwickeln. Jahre spĂ€ter ist aus der Partnerschaft der beiden mit Telepathic Instruments nun ein kleines Unternehmen hervorgegangen, dessen erstes Produkt die physische Realisierung von Parkers Traum ist.

    Hinter dem unbestreitbar hocheleganten Design des “Orchid” verbirgt sich eine Kompositionshilfe, mit der sich schnell und denkbar einfach Abfolgen komplexer Akkorde ausprobieren und einspielen lassen. Sogar theoretisch Unbedarfte zaubern damit in kĂŒrzester Zeit Musik, die so manchem Jazzmusiker Töne der VerzĂŒckung entlock dĂŒrfte. Dank der intuitiven Bedienbarkeit und eines genialen Marketingvideos waren die ersten Orchids in kĂŒrzester Zeit vergriffen. Jetzt endlich ist das GerĂ€t weltweit verfĂŒgbar.

    Ganz offensichtlich hatten Parker und Cosm bei der Entwicklung ihres Geisteskindes einen hervorragenden Riecher. Der Orchid lÀdt zum kreativen Spielen ein und kann dank seiner wirklich exzellenten Presets sogar in einem Band- oder Live-Kontext zum Einsatz kommen. Das passt, denn wie Cosm in unserem GesprÀch erklÀrt, stammen alle Sounds und Konzepte direkt aus dem Fundus und der Praxis von Tame Impala und wurden eigenhÀndisch programmiert.

    Wirklich smart ist vor allem, dass der Orchid Akkorde dynamisch versteht – als Sequencer-Arpeggios und Gitarrengeschrammel - und damit die Inspirationspalette bedeutend erweitert.

    Das ist wichtig, denn es sind die richtigen Harmonien, die uns in unserem Unterbewusstsein treffen – dort, wo wir es am wenigsten erwarten.
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    Episode #53 mit Emme Moises

    2025-11-07 | 38 min.
    Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-GesprĂ€ch. Diese Folge widmet sich Emme Moises, ihrer einzigartig psychedelischen elektronischen Musik und ihrer Liebe fĂŒr Modular-Synths.

    Beat / Gibt es technologisch gesehen noch echte Überraschungen?

    Emme Moises / Wir leben in einer so interessanten Zeit, dass es immer wieder Überraschungen gibt. Ich finde es schwierig, mit all den neuen Tools und experimentellen Technologien Schritt zu halten. Es fĂŒhlt sich an, als wĂŒrde sich die kreative Welt in einen endlosen Pool voller Experimente verwandeln. Und ich möchte alles ausprobieren!

    Beat / Wie wichtig ist es dir, ganz bestimmte Instrumenten zu nutzen?

    Emme Moises / Manchmal möchte ich einen bestimmten Sound oder eine bestimmte Komposition und suche dann das passende Werkzeug. Bei meiner Ambient-EP „wewerelost” habe ich viel mit dem Nord-Synthesizer gearbeitet, den meine Freundin Simone zum Jammen ins Studio mitgebracht hat. Nach mehreren Sessions hat dieses Instrument das gesamte Konzept dunkler Einsamkeit inspiriert, das diese EP auszeichnet.

    Beat / Warum begeistern dich Modular-Synths gerade so sehr?

    Emme Moises / Es geht darum, mich von bestimmten persönlichen EinschrĂ€nkungen gegenĂŒber elektronischer Musik zu befreien. Ich habe das GefĂŒhl, dass der Modular mir sagt, was ich tun oder wohin ich gehen soll, und nicht umgekehrt. Ich mag dieses GefĂŒhl, die absolute Kontrolle loszulassen. Ich stecke die Kabel, aber die Module bestimmen den Weg.

    Beat / Ich glaube, der Moog Subsequent 37 ist dein LieblingsgerÀt. Was gefÀllt dir an diesem Synthesizer?

    Emme Moises / Ich liebe seine Vielseitigkeit und die Tiefe der Oszillatoren. Außerdem ist der Filterknopf einfach perfekt! Die meisten meiner elektronischen Bass-Sounds habe ich mit diesem Synthesizer aufgenommen. Es macht so viel Spaß, ihn wie in einer live-Situation zu spielen und acidartige Modulationen, helle Leads und Ambient-Texturen zu erzeugen. Der Step-Sequenzer ist ziemlich interessant. Er bietet die Möglichkeit fĂŒr bis zu 64 Schritte und im Duo-Modus können zwei Tonhöhen gleichzeitig gespielt werden. Direkt, nachdem ich ihn gekauft habe, ist so nur mit ihm eine akkordartige Sci-Fi-Landschaft entstanden.
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    Episode #52 mit Anfisa Letyago

    2025-10-21 | 36 min.
    Im Behind the Beat-Podcast bittet Tobias Fischer Kreative zum Tiefen-GesprÀch. Diese Folge widmet sich Anfisa Letyago, die auf ihren aktuellen Singles erneut ihre kreative WandlungsfÀhigkeit unter Beweis stellt.

    Anfisa Letyago kommt aus einer Familie von Konditorn und Köchen. Kein Wunder also, dass ihr die Liebe fĂŒr gutes Essen in die Wiege gelegt wurde. Ist der Espresso, den sie noch immer mit einer kleinen Bialetti mit der Hand zubereitet, eine kurze Ablenkung von der Studioarbeit? Oder fĂŒllt das Muzieren nur die freie Zeit zwischen den Kaffees? Bei der in Sibirien geborenen Wahlitalienerin ist das keine leicht zu beantwortende Frage.

    So bietet ihr vielseitiges Schaffen einen sehr interessanten Blick auf einen ewigen Disput: Kommt Kunst von „können” oder von „mĂŒssen”? Letyago begann ihren Weg von Anfang an sowohl als DJ als auch als Produzentin, was ihr einen klaren Blick auf die funktionalen Aspekte einerseits und die transzendentalen Momente der Musikindustrie andererseits verschaffte, auf die feine Grenze, die zwischen Beruf und Berufung verlĂ€uft.

    Dabei waren es zunĂ€chst eher ihre DJ-Sets, melodisch-technoid und pendelnd zwischen ritueller Trance und entfesselter Ekstase, in denen sie sich kreativ öffnete, wĂ€hrend viele ihrer frĂŒhen Veröffentlichungen sich noch einem eher traditionellen Minimal-Techno-Ansatz verschrieben. Zunehmend aber fand Letyago auch als Produzentin zu einer eigenen Sprache.

    Erste Hinweise auf ihre experimentierfreudige Ader boten vor allem die B-Seiten, StĂŒcke wie „Shot” auf der 2019er „Bright-Lights”-EP zum Beispiel, das mit seinen geheimnisvollen Streicherharmonien ĂŒber einem eiskalt-monoton stampfenden Beat ein wenig an das hymnische „Go” von Moby erinnert, welches sie bereits – eine große Ehre fĂŒr sie als Fan – remixen durfte. Mit der „Listen”-EP kam dann der Wendepunkt: Das Tempo ging nach unten, die Strukturen wurden komplexer, der Ton sinnlicher und ganz nebenbei betĂ€tigte sich Letyago nun auch als Vokalistin.

    Dieses stĂ€ndige Suche nach neuen Ufern definiert ihre IdentitĂ€t als KĂŒnstlerin, die stetige Optimierung von Sound und Arrangement mit einem extrem einfachen Set-Up reprĂ€sentiert ihren handwerklichen Trieb zu Perfektion. Wohin die Reise aber auch gehen mag – erstmal einen Kaffee.

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