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- Der Soziologe Steffen Mau erklärt, was man bei der Wiedervereinigung hätte besser machen können und warum der Osten politisch so anders tickt.
Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können.
Ist die deutsche Einheit gelungen? Wenn es um diese Frage geht, gibt es wohl kaum jemanden, der sie besser beantworten kann als unser Gast in der neuen Folge von »Nur eine Frage«.
Steffen Mau ist Soziologe, Professor für Makrosoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und seit Oktober 2025 Direktor der Abteilung »Ungleichheit, Transformation und Konflikt« am Max-Planck-Institut für Politik- und Sozialwissenschaft. 2021 erhielt er den Leibniz-Preis, die höchstdotierte Forschungsauszeichnung Deutschlands. Seine Bücher über die deutsche Einheit sind Bestseller: 2019 »Lütten Klein – Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft«, 2023 »Triggerpunkte« und 2024 »Ungleich vereint. Warum der Osten anders bleibt«. Er kennt die deutsche Einheit nicht nur als Forscher, sondern aus eigener Erfahrung. Geboren wurde er 1968 in Rostock, hat 21 Jahre in der DDR gelebt, war Facharbeiter für Schiffselektronik und Funker bei der Nationalen Volksarmee. Den Tag des Mauerfalls erlebte er beim Wachdienst in seiner Kaserne.
Für Steffen Mau ist die Antwort auf diese Frage nicht einfach zu finden. Die Einheit sei politisch-rechtlich gestaltet worden, in Ostdeutschland habe sich eine Demokratie entwickelt, »natürlich mit Rissen, Brüchen und politischen Unwuchten«. Trotzdem gebe es Dinge, die nicht gelungen seien. Er kommt daher zu der Antwort: Jein. Oder einem vorsichtigen Ja – mit großen Schmerzen.
Wenn man geglaubt habe, die Einheit sei dann vollendet, wenn es keine grundlegenden Unterschiede mehr gäbe – »weder sozialstrukturell noch im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung, noch bei Mentalitäts- und Kulturfragen« –, dann sei das eine falsche Erwartung gewesen, so Mau. »Die Unterschiede zwischen Ost und West sind ossifiziert«, sagt er und erklärt, was er damit genau meint.
Mit Blick auf die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt am 6. September spricht Mau über die politische Kultur und das Parteiensystem in Ostdeutschland sowie die Ursachen des Erfolgs der AfD und des Rechtsextremismus. Es geht um gesellschaftlichen Unmut, Transformationserfahrungen, wirtschaftliche Unsicherheit und das autoritäre Erbe der DDR. Zugleich betont Mau, dass der Rechtsruck kein ausschließlich ostdeutsches Phänomen ist. Er spricht über die Gründe für die Unterrepräsentation von Ostdeutschen in Spitzenpositionen – was man dagegen hätte tun können und jetzt tun sollte –, über die ökonomische Bilanz der deutschen Einheit, warum er Begriffen wie »Jammer-Ossis« skeptisch gegenübersteht und welche Entwicklungen er für die Zukunft erwartet.
Moderation: Jochen Wegner
Redaktion: Sophie Hübner
Visuelle Produktion: Michael Pfister
Videoproduktion: Lucie Liu, Nele Vogel, Iona Young
Kamera, Schnitt und Ton: ifbbw
Visual Director: Malin Schulz
Photo Director: Tina Ahrens
Design: Adele Ogiermann, Jan Lichte
Animation: Axel Rudolph
Musik: Konrad Peschmann
Logo: Lea Dohle
Alle Folgen des Podcasts finden Sie hier. Abonnieren Sie auch unseren »N1F«-Newsletter. Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an [email protected]. - Der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama erklärt, warum die liberale Demokratie unter Druck steht – und warum er trotzdem nicht die Hoffnung aufgibt.
Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können.
Francis Fukuyama ist einer der bedeutendsten politischen Theoretiker unserer Zeit. Im Sommer 1989, wenige Monate vor dem Fall der Berliner Mauer, veröffentlichte er den Essay The End of History? und wurde schlagartig berühmt. Darin argumentierte er, dass der Niedergang des Kommunismus das Ende des großen ideologischen Kampfes der Menschheit markiere und sich die westliche liberale Demokratie als endgültige Regierungsform durchsetzen werde. Das darauffolgende Buch wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Seitdem hat Fukuyama zahlreiche Bücher und Analysen geschrieben, über Geschichte und die Ursprünge politischer Ordnung, Vertrauen und Identität, Biotechnologie und die Krise des Liberalismus. Er hat amerikanische Regierungen beraten, den Johan-Skytte-Preis erhalten und lehrt an der Stanford University. Sein neues Buch Der letzte Mensch erschien im Juni 2026 in Deutschland.
Doch wie steht es um die liberale Demokratie – als ein Kind der Aufklärung – heute? Wie viel ist von den Ideen und Idealen der Aufklärung noch übrig? In der neuen Folge von Nur eine Frage wollen wir von Francis Fukuyama wissen: Ist das Zeitalter der Aufklärung vorbei?
Fukuyamas Antwort lautet: »Nein. Das Zeitalter der Aufklärung ist keineswegs vorbei. Es steht unter Druck, aber es ist definitiv nicht vorbei.«
Im Podcast beschreibt er zunächst die historischen Hintergründe des Zeitalters der Aufklärung, wie die wissenschaftliche Methode religiöses Dogma ablöste und die liberale Demokratie als eines der Ergebnisse der Aufklärung hervorging.
Seit 2008 sei ein weltweiter Rücklauf der Demokratie zu beobachten, erklärt Fukuyama. Besonders beunruhigend finde er den Aufstieg illiberaler Parteien innerhalb etablierter Demokratien. Vor allem die Entwicklung in den USA seit 2016 unter Donald Trump sei dabei die bedeutendste Veränderung.
Eine Erklärung für diese gegenwärtigen Entwicklungen liefere für Fukuyama Friedrich Nietzsches Konzept des »letzten Menschen« – eine Figur, die in Wohlstand und Sicherheit lebt, aber kein höheres Streben mehr kennt. Er erklärt, warum er sich diesem Konzept bereits in seinem ersten Buch Das Ende der Geschichte (1992) widmete und es in seinem neuen Buch Der letzte Mensch (2026) wieder aufgreift.
Im Gespräch legt Fukuyama außerdem dar, wie die Coronapandemie seiner Ansicht nach das Vertrauen in Gesundheitsbehörden und Wissenschaft erschüttert hat und warum er glaubt, dass China mit seinem politischen Modell keine überlegene Alternative zur liberalen Demokratie entwickelt habe. Er beschreibt seine Sorge in Bezug auf agentische KI und die Versuchung, Maschinen immer mehr Entscheidungsbefugnis zu übertragen und beantwortet die Frage, ob Deutschland mit der sozialen Marktwirtschaft ein Vorbild für andere Länder sein könnte.
Trotz allem bleibt Fukuyama optimistisch. Das Zeitalter der Aufklärung sei nicht vorbei, und wir müssten hart daran arbeiten, dass dieses Licht nicht erlischt, so Fukuyama. Er plädiert dafür, die Hoffnung nicht aufzugeben und die harte Arbeit demokratischer Politik zu leisten, denn nur durch demokratisches Engagement ließen sich illiberale Trends umkehren.
Redaktion: Sophie Hübner
Visuelle Produktion: Michael Pfister
Videoproduktion: Nele Vogel, Iona Young
Kamera, Schnitt und Ton: ifbbw
Visual Director: Malin Schulz
Photo Director: Tina Ahrens
Design: Adele Ogiermann, Jan Lichte
Animation: Axel Rudolph
Musik: Konrad Peschmann
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Alle Folgen des Podcasts finden Sie hier. Abonnieren Sie auch unseren »N1F«-Newsletter. Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an [email protected]. - Der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama erklärt, warum die liberale Demokratie unter Druck steht – und warum er trotzdem nicht die Hoffnung aufgibt.
Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können. Dies ist die KI-Übersetzung des englischen Originalgesprächs.
Francis Fukuyama ist einer der bedeutendsten politischen Theoretiker unserer Zeit. Im Sommer 1989, wenige Monate vor dem Fall der Berliner Mauer, veröffentlichte er den Essay The End of History? und wurde schlagartig berühmt. Darin argumentierte er, dass der Niedergang des Kommunismus das Ende des großen ideologischen Kampfes der Menschheit markiere und sich die westliche liberale Demokratie als endgültige Regierungsform durchsetzen werde. Das darauffolgende Buch wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Seitdem hat Fukuyama zahlreiche Bücher und Analysen geschrieben, über Geschichte und die Ursprünge politischer Ordnung, Vertrauen und Identität, Biotechnologie und die Krise des Liberalismus. Er hat amerikanische Regierungen beraten, den Johan-Skytte-Preis erhalten und lehrt an der Stanford University. Sein neues Buch Der letzte Mensch erschien im Juni 2026 in Deutschland.
Doch wie steht es um die liberale Demokratie – als ein Kind der Aufklärung – heute? Wie viel ist von den Ideen und Idealen der Aufklärung noch übrig? In der neuen Folge von Nur eine Frage wollen wir von Francis Fukuyama wissen: Ist das Zeitalter der Aufklärung vorbei?
Fukuyamas Antwort lautet: »Nein. Das Zeitalter der Aufklärung ist keineswegs vorbei. Es steht unter Druck, aber es ist definitiv nicht vorbei.«
Im Podcast beschreibt er zunächst die historischen Hintergründe des Zeitalters der Aufklärung, wie die wissenschaftliche Methode religiöses Dogma ablöste und die liberale Demokratie als eines der Ergebnisse der Aufklärung hervorging.
Seit 2008 sei ein weltweiter Rücklauf der Demokratie zu beobachten, erklärt Fukuyama. Besonders beunruhigend finde er den Aufstieg illiberaler Parteien innerhalb etablierter Demokratien. Vor allem die Entwicklung in den USA seit 2016 unter Donald Trump sei dabei die bedeutendste Veränderung.
Eine Erklärung für diese gegenwärtigen Entwicklungen liefere für Fukuyama Friedrich Nietzsches Konzept des »letzten Menschen« – eine Figur, die in Wohlstand und Sicherheit lebt, aber kein höheres Streben mehr kennt. Er erklärt, warum er sich diesem Konzept bereits in seinem ersten Buch Das Ende der Geschichte (1992) widmete und es in seinem neuen Buch Der letzte Mensch (2026) wieder aufgreift.
Im Gespräch legt Fukuyama außerdem dar, wie die Coronapandemie seiner Ansicht nach das Vertrauen in Gesundheitsbehörden und Wissenschaft erschüttert hat und warum er glaubt, dass China mit seinem politischen Modell keine überlegene Alternative zur liberalen Demokratie entwickelt habe. Er beschreibt seine Sorge in Bezug auf agentische KI und die Versuchung, Maschinen immer mehr Entscheidungsbefugnis zu übertragen und beantwortet die Frage, ob Deutschland mit der sozialen Marktwirtschaft ein Vorbild für andere Länder sein könnte.
Trotz allem bleibt Fukuyama optimistisch. Das Zeitalter der Aufklärung sei nicht vorbei, und wir müssten hart daran arbeiten, dass dieses Licht nicht erlischt, so Fukuyama. Er plädiert dafür, die Hoffnung nicht aufzugeben und die harte Arbeit demokratischer Politik zu leisten, denn nur durch demokratisches Engagement ließen sich illiberale Trends umkehren.
Moderation: Jochen Wegner
Redaktion: Sophie Hübner
Visuelle Produktion: Michael Pfister
Produktion: ifbbw, Pool Artists
Videoproduktion: Nele Vogel, Iona Young
Visual Director: Malin Schulz
Photo Director: Tina Ahrens
Design: Adele Ogiermann, Jan Lichte
Animation: Axel Rudolph
Musik: Konrad Peschmann
Logo: Lea Dohle
Alle Folgen des Podcasts finden Sie hier. Abonnieren Sie auch unseren »N1F«-Newsletter. Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an [email protected]. - Der Philosoph Kwame Anthony Appiah erklärt, was Grenzen genau schützen, warum sie ethische Regeln brauchen und wie ihre Zukunft aussehen könnte.
Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können.
In dieser Folge von »Nur eine Frage« stellen wir Kwame Anthony Appiah die Frage: »Braucht die Welt Grenzen?« Aufgezeichnet wurde das Gespräch nur drei Tage, nachdem rund 60.000 Menschen an einem einzigen Tag von Marokko in die spanische Enklave Ceuta migriert waren. Ein Rekord, der Europa einmal mehr vor die Frage stellte, wofür seine Grenzen eigentlich da sind.
Kwame Anthony Appiah ist einer der einflussreichsten Philosophen der Gegenwart. Geboren in London, aufgewachsen im ghanaischen Kumasi, ausgebildet in Cambridge, lehrt er heute Philosophie und Recht an der New York University. Als Sohn eines ghanaischen Vaters und einer britischen Mutter hat er sein ganzes Leben lang genau jene Grenzen überschritten, über die er nachdenkt – zwischen Nationen, Kulturen und Identitäten. Sein Buch Cosmopolitanism, prägte eine Denktradition, The Lies That Bind vor allem die Debatte über Identität. Appiah wurde von Barack Obama mit der National Humanities Medal ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung der USA im Bereich der Geisteswissenschaften. Er ist Präsident der American Academy of Arts and Letters und beantwortet in seiner Kolumne The Ethicist im New York Times Magazine seit mehr als zehn Jahren moralische Fragen des alltäglichen Lebens.
Im Podcast beantwortet Appiah die Frage mit einem Ja. »Wenn wir davon ausgehen, dass wir Staaten brauchen, einzelne Nationen, dann brauchen diese auch Grenzen. Staaten müssen nun mal regeln können, wer dazugehört und wer nicht.«
Appiah erklärt, warum er kein Fan eines »Superstaates« ist: Die Welt brauche Grenzen, nicht weil Abschottung gut wäre, sondern weil eigenständige Staaten ein Gegengewicht gegen die Konzentration von Macht bilden. Bei einem Weltstaat sei zwar Steuerflucht schwieriger, und manche internationalen Probleme ließen sich leichter lösen, aber wenn ein solcher Staat scheitern würde, gäbe es kaum eine oppositionelle Kraft, die ihn korrigieren könnte. Die Konzentration zu großer Macht an einem Ort berge immer die Gefahr ihres Missbrauchs, so Appiah.
Er führt aus, dass Grenzen außerdem dezentrale Entscheidungen ermöglichten. Ein Vorteil föderalistisch organisierter Staaten sei zum Beispiel, dass politische Experimente möglich seien. Als Beispiel nennt er die Gesundheitsreform in den USA, später als Obamacare bekannt geworden, die zuerst in Massachusetts getestet und daraufhin auf nationaler Ebene übernommen wurde.
Gleichzeitig bedeute die Notwendigkeit von Landesgrenzen nicht, dass diese schwer zu überwinden sein müssten oder keine Verantwortung gegenüber den Menschen außerhalb dieser Grenzen bestünde. »Staaten haben das Recht, ihre Grenzen zu kontrollieren. Aber dieses Recht hat ethische Grenzen«, sagt Appiah.
Er hofft auf eine Zukunft, in der Grenzen weniger angstbesetzte Orte sind und Menschen sich vor allem aus Neugier über sie hinwegbewegen. Appiah beantwortet die Frage, ob es in Zukunft mehr oder weniger Grenzen geben wird und wie diese aussehen könnten. Er spricht über Migration, Zugehörigkeit, gemeinsames Vergessen und Identität, auch seine eigene – und darüber, warum man seine Identität mit einer gewissen Lockerheit tragen sollte.
Redaktion: Sophie Hübner, Tobias Oellig
Videoproduktion: Nele Vogel, Iona Young
Visuelle Produktion: Michael Pfister
Kamera, Schnitt & Ton: ifbbw
Visual Director: Malin Schulz
Photo Director: Tina Ahrens
Design: Adele Ogiermann, Jan Lichte
Animation: Axel Rudolph
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Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können. Dies ist die KI-Übersetzung des englischen Originalgesprächs.
In dieser Folge von »Nur eine Frage« stellen wir Kwame Anthony Appiah die Frage: »Braucht die Welt Grenzen?« Aufgezeichnet wurde das Gespräch nur drei Tage, nachdem rund 60.000 Menschen an einem einzigen Tag von Marokko in die spanische Enklave Ceuta migriert waren. Ein Rekord, der Europa einmal mehr vor die Frage stellte, wofür seine Grenzen eigentlich da sind.
Kwame Anthony Appiah ist einer der einflussreichsten Philosophen der Gegenwart. Geboren in London, aufgewachsen im ghanaischen Kumasi, ausgebildet in Cambridge, lehrt er heute Philosophie und Recht an der New York University. Als Sohn eines ghanaischen Vaters und einer britischen Mutter hat er sein ganzes Leben lang genau jene Grenzen überschritten, über die er nachdenkt – zwischen Nationen, Kulturen und Identitäten. Sein Buch Cosmopolitanism, prägte eine Denktradition, The Lies That Bind vor allem die Debatte über Identität. Appiah wurde von Barack Obama mit der National Humanities Medal ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung der USA im Bereich der Geisteswissenschaften. Er ist Präsident der American Academy of Arts and Letters und beantwortet in seiner Kolumne The Ethicist im New York Times Magazine seit mehr als zehn Jahren moralische Fragen des alltäglichen Lebens.
Im Podcast beantwortet Appiah die Frage mit einem Ja. »Wenn wir davon ausgehen, dass wir Staaten brauchen, einzelne Nationen, dann brauchen diese auch Grenzen. Staaten müssen nun mal regeln können, wer dazugehört und wer nicht.«
Appiah erklärt, warum er kein Fan eines »Superstaates« ist: Die Welt brauche Grenzen, nicht weil Abschottung gut wäre, sondern weil eigenständige Staaten ein Gegengewicht gegen die Konzentration von Macht bilden. Bei einem Weltstaat sei zwar Steuerflucht schwieriger, und manche internationalen Probleme ließen sich leichter lösen, aber wenn ein solcher Staat scheitern würde, gäbe es kaum eine oppositionelle Kraft, die ihn korrigieren könnte. Die Konzentration zu großer Macht an einem Ort berge immer die Gefahr ihres Missbrauchs, so Appiah.
Er führt aus, dass Grenzen außerdem dezentrale Entscheidungen ermöglichten. Ein Vorteil föderalistisch organisierter Staaten sei zum Beispiel, dass politische Experimente möglich seien. Als Beispiel nennt er die Gesundheitsreform in den USA, später als Obamacare bekannt geworden, die zuerst in Massachusetts getestet und daraufhin auf nationaler Ebene übernommen wurde.
Gleichzeitig bedeute die Notwendigkeit von Landesgrenzen nicht, dass diese schwer zu überwinden sein müssten oder keine Verantwortung gegenüber den Menschen außerhalb dieser Grenzen bestünde. »Staaten haben das Recht, ihre Grenzen zu kontrollieren. Aber dieses Recht hat ethische Grenzen«, sagt Appiah.
Er hofft auf eine Zukunft, in der Grenzen weniger angstbesetzte Orte sind und Menschen sich vor allem aus Neugier über sie hinwegbewegen. Appiah beantwortet die Frage, ob es in Zukunft mehr oder weniger Grenzen geben wird und wie diese aussehen könnten. Er spricht über Migration, Zugehörigkeit, gemeinsames Vergessen und Identität, auch seine eigene – und darüber, warum man seine Identität mit einer gewissen Lockerheit tragen sollte.
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„Können Maschinen denken?“, „Ist Demokratie die beste Staatsform?“, „Ist Armut erblich?“. Oder: „Existiere ich wirklich?“ Das sind einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, und auf die eine klare Antwort oft schwer zu finden ist. In dem Podcast „Nur eine Frage“ stellen wir diese vermeintlich simplen „Kinderfragen“ – der bestmöglichen Expertin, dem bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden konnten. Wir haken so lange nach, bis wir eine definitive Antwort bekommen, am besten in Form eines klaren „Ja“ oder „Nein“.
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