Nur eine Frage

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  • Nur eine Frage

    Haben wir einen freien Willen, John-Dylan Haynes?

    2026-07-08 | 1 h 13 min.
    Der Neurowissenschaftler kann Entscheidungen Sekunden im Voraus vorhersagen. Warum John-Dylan Haynes trotzdem an den freien Willen glaubt. 

    Im Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, auf die eine klare Antwort schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können – und versucht, eine klare Antwort zu bekommen. 

    Kaffee oder Tee? Kündigen oder bleiben? Zug oder Flugzeug? Unser Alltag wäre kaum auszuhalten ohne die Vorstellung, dass wir der Urheber unseres Handelns sind. Dass man auch anders hätte entscheiden können. Aber ist das wirklich so? Sind wirklich wir die, die die Entscheidungen treffen? Oder zieht jemand oder etwas in unserem Hirn in Wahrheit die Strippen, ohne dass wir es bemerken? 

    Die Frage nach dem freien Willen hat schon antike Philosophen beschäftigt. Aber so richtig Fahrt aufgenommen hat sie erst nach den berühmten Experimenten des US-amerikanischen Neurowissenschaftlers Benjamin Libet Anfang der 1980er-Jahre. Libet zeigte: Bereits Sekunden vor einer bewussten Entscheidung treten Signale im Gehirn auf, die der bewussten Entscheidung vorausgehen. Diese Erkenntnis versetzte Hirnforscher in Aufruhr. Sie begannen sich zu fragen, ob der freie Wille womöglich nur eine Illusion sei. 

    In der aktuellen Ausgabe von »Nur eine Frage« wollen wir daher von John-Dylan Haynes wissen: Haben wir einen freien Willen? 

    John-Dylan Haynes ist Psychologe, Neurowissenschaftler und Professor an der Charité in Berlin. Mit seinen Experimenten im Kernspintomografen hat er weltweit für Aufsehen gesorgt: Er konnte zeigen, dass Entscheidungen im Gehirn vorbereitet werden, bevor wir sie bewusst treffen – mitunter bis zu zehn Sekunden vorher. Seine Studie »Unconscious Determinants of Free Decisions in the Human Brain«, veröffentlicht in Nature Neuroscience, hat die Debatte über den freien Willen weiter angeheizt und auf eine neue Stufe gehoben.  

    Im Gespräch sagt Haynes, dass sehr unterschiedliche Auffassungen darüber existieren, was freier Wille eigentlich meint. Einigt man sich auf die Frage, ob man eigene Entscheidungen treffen kann, müsse man sich klarmachen: Nichts geht ohne das Gehirn. Haynes: »Im Gehirn wirken die biologischen Prozesse nach den Naturgesetzen, und wir können uns mit unseren Entscheidungen nicht darüber hinwegsetzen.« 

    Doch ist es nicht erschütternd, dass Entscheidungen erst in unser Bewusstsein dringen, wenn sie in Wahrheit schon mindestens zehn Sekunden im Voraus angebahnt werden? Haynes findet: nicht wirklich. »Hirnvorgänge laufen ab wie eine Kaskade von Dominosteinen – irgendwo zwischendrin entscheide ich mich, und davor ist im Kausalgeschehen des Gehirns etwas passiert.« 

    Haynes hat im Laufe seiner Forschung die berühmten Libet-Experimente, auf denen die Diskussion um den freien Willen basierte, im Kern entkräftet. Denn er konnte zeigen: Selbst wenn man mithilfe von Hirnmessungen Entscheidungen Sekunden im Voraus mit immerhin 70-prozentiger Genauigkeit voraussagen kann, bedeutet das nicht, dass alles bereits festgelegt ist: Menschen können Entscheidungen – auch das zeigen Haynes’ Experimente – abbrechen und sich umentscheiden. Daher sieht Haynes die Sache differenzierter als viele seiner Kollegen – und besteht darauf, dass Vorhersage nicht dasselbe ist wie Vorherbestimmung. 

    Moderation: Jochen Wegner
    Redaktion: Jens Lubbadeh
    Visuelle Produktion: Michael Pfister
    Schnitt & Ton: ifbbw
    Visual Director: Malin Schulz
    Photo Director: Tina Ahrens
    Design: Adele Ogiermann, Jan Lichte
    Animation: Axel Rudolph
    Musik: Konrad Peschmann
    Logo: Lea Dohle

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  • Nur eine Frage

    War früher alles besser, Katja Hoyer?

    2026-06-24 | 1 h 12 min.
    Menschen neigen dazu, die Vergangenheit besser zu bewerten, als sie objektiv war. War das schon immer so – und wie sollte die Politik darauf reagieren? 

     

    Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können.  

     

    In dieser Ausgabe von Nur eine Frage wollen wir wissen: War früher alles besser? Unser Gast dieses Mal ist die Historikerin Katja Hoyer. Sie wurde 1985 in Guben geboren, in der damaligen »Wilhelm-Pieck-Stadt« der DDR. Ihr Vater war Offizier in der Nationalen Volksarmee, als die Mauer fiel, war sie vier Jahre alt. Studiert hat Hoyer Geschichte in Jena, sie lebt und arbeitet seit über fünfzehn Jahren in Großbritannien – am King’s College in London, als Fellow der Royal Historical Society. Katja Hoyer hat drei Bücher über entscheidende Abschnitte deutscher Geschichte geschrieben: das Kaiserreich, die Weimarer Republik und die DDR – drei Epochen, die von Nachgeborenen oft verklärt wurden. Die Sunday Times nennt sie »Britain’s favourite German historian«. In Deutschland jedoch ist sie nicht unumstritten: Ihr DDR-Buch Diesseits der Mauer löste 2023 eine der heftigsten Geschichtsdebatten der letzten Jahre aus – mit dem Vorwurf, sie würde die DDR rosarot weichzeichnen. Ihr neues BuchWeimar. Glanz und Grauen der deutschen Geschichte erschien im Mai und stößt ebenfalls auf große mediale Resonanz. 

     

    Hoyers klare Antwort auf die Frage lautet »Nein«. Nostalgie sei ein Phänomen, das die Menschheit vermutlich schon immer begleitet habe. »Jeder durchlebt seine Kindheit und Jugend und fragt sich später, wie er an den Punkt gekommen ist, an dem er heute steht. Dabei neigt man dazu, die eigene Vergangenheit positiver zu bewerten, als sie tatsächlich gewesen ist.« Insbesondere in Krisenzeiten griffen Menschen bevorzugt auf vermeintlich positivere Vergangenheit zurück.  

     

    Wie aber lässt sich ein objektives Bild der Vergangenheit zeichnen? Hoyer betont, dass es zwar objektive Fakten und in diesem Sinn eine historische Realität gebe. Das könne man einfach festmachen daran, wann welche Gesetze erlassen und welche Entscheidungen getroffen wurden. Aber wie wurden diese dann von den Menschen erlebt? »Hier beginnt die Interpretation«, sagt die Historikerin.Hoyer betont auch die Gleichzeitigkeit widersprüchlicher Erfahrungen: Am Beispiel der DDR oder der NS-Zeit zeigt sie, dass positive individuelle Alltagserfahrungen neben Unterdrückung und Verbrechen existieren konnten.  »In dieser Gleichzeitigkeit liegt das Entscheidende: Menschen erleben moralische Brüche, reagieren innerlich unterschiedlich, aber der Alltag läuft weiter.« Diese Mischung aus Verdrängung, Gewöhnung und Alltagsbindung erkläre vieles, sagt Hoyer. »Menschen müssen nicht aktiv zustimmen, um Teil solcher Entwicklungen zu werden – oft reicht es, nicht zu handeln und weiterzumachen wie bisher.« 

     

    Produktion: ifbbw 
    Redaktion: Tobias Oellig, Jens Lubbadeh  
    Visuelle Produktion: Michael Pfister 

     

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    Can the Middle East Conflict Be Resolved, Dennis Ross?

    2026-06-10 | 48 min.
    Kaum ein US-Diplomat war dem israelisch-palästinensischen Friedensprozess über so viele Jahre so nah wie Dennis Ross. Er sagt: Es gibt eine Lösung. Aber sie dauert.  

    Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können. 

    In dieser Folge von Nur eine Frage stellen wir dem US-amerikanischen Diplomaten Dennis Ross die Frage: »Kann der Nahostkonflikt gelöst werden?« 

    Dennis Ross, geboren 1948, ist eine bedeutende Figur der amerikanischen Nahost-Diplomatie. In den Achtzigerjahren war er Mitbegründer des Washington Institute for Near East Policy, 1988 wurde er zum Chefunterhändler für die Nahost-Friedensgespräche ernannt. Er überzeugte arabische und israelische Politiker, an der historischen Madrider Konferenz teilzunehmen, die den Friedensprozess in Gang setzte. In den Jahren danach spielte Ross eine Schlüsselrolle bei den Verhandlungen über die Osloer Abkommen, das Interimsabkommen von 1995 und das Hebron-Abkommen. Mit dem Ende von Bill Clintons Amtszeit endete auch seine Zeit als Sondergesandter.    

    Seine Antwort auf die Frage »Kann der Nahostkonflikt gelöst werden?« lautet: »Ja, er kann gelöst werden. Aber nicht so bald.« Das Trauma des 7. Oktober habe beide Seiten so tief getroffen, dass sich Israelis und Palästinenser in der schlechtesten Lage befänden, die Ross in fast 40 Jahren erlebt habe. »Dieses gegenseitige Trauma macht es beiden Seiten unmöglich, sich den Schmerz des anderen vorzustellen, jeder sieht nur den eigenen.« 

    Im Kern, erklärt Ross, sei der Nahostkonflikt, wenn wir ihn als Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern definieren, einfach zu beschreiben: zwei nationale Bewegungen, die um denselben Raum konkurrieren. Beide hätten einen Anspruch auf das Land, beide eine tiefe, darin verwurzelte Identität, und keine Seite werde diese aufgeben. Deshalb sei die Vorstellung einer Einstaatenlösung eine Illusion. Die langfristige Lösung seien zwei Staaten für zwei Völker. »Davon aber sind wir im Moment  weit entfernt«, so Ross.  

    Über die aktuellen Führungsfiguren urteilt Ross: »Solange Netanjahu und Abbas da sind, ist kein Frieden möglich.« Entscheidend für die Zukunft sei die Rolle der arabischen Staaten: Sie müssten eine neue palästinensische Führung aufbauen und ihr Legitimität verleihen – aber auch Druck ausüben. Die USA allein könnten den Konflikt nicht lösen, auch wenn sie ein Akteur mit unvergleichlichem Einfluss auf Israel sind. 

    Auch für Deutschland hat Ross einen Rat: Die Bundesregierung habe eine einzigartige Position, weil die deutsche Stimme in Israel nicht einfach abgetan werden könne. Deutschland solle Hilfe anbieten, aber auch klar benennen, was es im Gegenzug erwarte. Nur Kritik zu üben, führe dazu, dass die Israelis abschalteten. 

    Den Ausgangspunkt für Frieden sieht Ross in Gaza: Wiederaufbau im Tausch gegen die Entwaffnung der Hamas. Parallel müsse die Palästinensische Autonomiebehörde reformiert werden. Dann könne man beide Seiten auf praktischer Ebene wieder zusammenbringen und Kooperation ermöglichen. Dadurch, so Ross, »lässt sich etwas zurückgewinnen, das derzeit fehlt: der Glaube, dass Fortschritt überhaupt möglich ist.« Bis zu einer echten Lösung des Nahostkonflikts rechnet Ross mit Jahrzehnten. 

     

    Produktion: ifbbw, Pool Artists
    Redaktion: Carl Friedrichs, Jens Lubbadeh, Sophie Hübner
    Visuelle Produktion: Michael Pfister

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    KI-Übersetzung: Kann der Nahostkonflikt gelöst werden, Dennis Ross?

    2026-06-10 | 44 min.
    Kaum ein US-Diplomat war dem israelisch-palästinensischen Friedensprozess über so viele Jahre so nah wie Dennis Ross. Er sagt: Es gibt eine Lösung. Aber sie dauert. 

    Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können.

    In dieser Folge von Nur eine Frage stellen wir dem US-amerikanischen Diplomaten Dennis Ross die Frage: »Kann der Nahostkonflikt gelöst werden?«

    Dennis Ross, geboren 1948, ist eine bedeutende Figur der amerikanischen Nahost-Diplomatie. In den Achtzigerjahren war er Mitbegründer des Washington Institute for Near East Policy, 1988 wurde er zum Chefunterhändler für die Nahost-Friedensgespräche ernannt. Er überzeugte arabische und israelische Politiker, an der historischen Madrider Konferenz teilzunehmen, die den Friedensprozess in Gang setzte. In den Jahren danach spielte Ross eine Schlüsselrolle bei den Verhandlungen über die Osloer Abkommen, das Interimsabkommen von 1995 und das Hebron-Abkommen. Mit dem Ende von Bill Clintons Amtszeit endete auch seine Zeit als Sondergesandter.   

    Seine Antwort auf die Frage »Kann der Nahostkonflikt gelöst werden?« lautet: »Ja, er kann gelöst werden. Aber nicht so bald.« Das Trauma des 7. Oktober habe beide Seiten so tief getroffen, dass sich Israelis und Palästinenser in der schlechtesten Lage befänden, die Ross in fast 40 Jahren erlebt habe. »Dieses gegenseitige Trauma macht es beiden Seiten unmöglich, sich den Schmerz des anderen vorzustellen, jeder sieht nur den eigenen.«

    Im Kern, erklärt Ross, sei der Nahostkonflikt, wenn wir ihn als Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern definieren, einfach zu beschreiben: zwei nationale Bewegungen, die um denselben Raum konkurrieren. Beide hätten einen Anspruch auf das Land, beide eine tiefe, darin verwurzelte Identität, und keine Seite werde diese aufgeben. Deshalb sei die Vorstellung einer Einstaatenlösung eine Illusion. Die langfristige Lösung seien zwei Staaten für zwei Völker. »Davon aber sind wir im Moment weit entfernt«, so Ross.

    Über die aktuellen Führungsfiguren urteilt Ross: »Solange Netanjahu und Abbas da sind, ist kein Frieden möglich.« Entscheidend für die Zukunft sei die Rolle der arabischen Staaten: Sie müssten eine neue palästinensische Führung aufbauen und ihr Legitimität verleihen – aber auch Druck ausüben. Die USA allein könnten den Konflikt nicht lösen, auch wenn sie ein Akteur mit unvergleichlichem Einfluss auf Israel sind.

    Auch für Deutschland hat Ross einen Rat: Die Bundesregierung habe eine einzigartige Position, weil die deutsche Stimme in Israel nicht einfach abgetan werden könne. Deutschland solle Hilfe anbieten, aber auch klar benennen, was es im Gegenzug erwarte. Nur Kritik zu üben, führe dazu, dass die Israelis abschalteten.

    Den Ausgangspunkt für Frieden sieht Ross in Gaza: Wiederaufbau im Tausch gegen die Entwaffnung der Hamas. Parallel müsse die Palästinensische Autonomiebehörde reformiert werden. Dann könne man beide Seiten auf praktischer Ebene wieder zusammenbringen und Kooperation ermöglichen. Dadurch, so Ross, »lässt sich etwas zurückgewinnen, das derzeit fehlt: der Glaube, dass Fortschritt überhaupt möglich ist.« Bis zu einer echten Lösung des Nahostkonflikts rechnet Ross mit Jahrzehnten.

    Produktion: ifbbw, Pool Artists
    Redaktion: Carl Friedrichs, Jens Lubbadeh, Sophie Hübner
    Visuelle Produktion: Michael Pfister
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    Ist die Welt noch zu retten, Friederike Otto?

    2026-05-27 | 1 h 3 min.
    Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können.

    In dieser Folge von Nur eine Frage stellen wir der Klimaforscherin Friederike Otto die Frage: »Ist die Welt noch zu retten?«

    Friederike Otto ist eine der international einflussreichsten Klimaforscherinnen. Otto ist Physikerin und promovierte Philosophin, hat in Potsdam und Berlin studiert, in Oxford geforscht und ist heute Professorin für Klimawissenschaften am Imperial College in London. Sie ist Mitbegründerin der sogenannten Zuordnungsforschung (Attribution Science), die den Zusammenhang zwischen Extremwetterereignissen und Klimawandel untersucht. Otto hat auch die Forschungsinitiative World Weather Attribution (WWA) mit ins Leben gerufen und an mehreren Berichten des Weltklimarats (IPCC) mitgeschrieben. 2023 erhielt sie den Deutschen Umweltpreis.   

    Im Podcast erklärt Friederike Otto zunächst die physikalischen Grundlagen des Klimawandels und warum die Welt aus wissenschaftlicher Perspektive deswegen ein großes Problem hat: Derzeit liegt die globale Erwärmung bei etwa 1,4 Grad. Selbst wenn alle versprochenen Klimamaßnahmen umgesetzt würden, käme die Welt bis Ende des Jahrhunderts auf etwa 2,6 Grad – mit dramatischen Folgen: »Wir werden Temperaturen und Niederschläge erleben, die wir uns im Moment nicht vorstellen können«, sagt Otto.

    Am Beispiel der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 erläutert die Klimawissenschaftlerin ihre Methode der Zuordnungsforschung und zeigt, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Welt mit Klimawandel gegen eine hypothetische Welt ohne Klimawandel rechnen. Das Ergebnis: Der menschengemachte Klimawandel hat die Wahrscheinlichkeit eines solchen Extremereignisses verdoppelt.
     

    Dennoch sieht Otto Grund zur Hoffnung: »Wenn wir aufhören, fossile Brennstoffe zu verbrennen, dann hört die globale Mitteltemperatur auf zu steigen.« Sie kritisiert den Einfluss der fossilen Industrie auf die Politik und dass die Debatte zu oft als Verzichtsdiskussion geführt werde. Dabei sei Klimaschutz für weitaus mehr bedeutsam: für ein zugängliches Gesundheitswesen, starke Institutionen und um gute Bildung zu ermöglichen und zu bewahren. »Beim Klimawandel geht es nicht nur darum, eine abstrakte Umwelt zu schützen, sondern eine hohe Lebensqualität für viele Menschen zu erreichen.« Die dafür nötigen Maßnahmen – Ausbau erneuerbarer Energien, bessere Gebäudeisolierung, öffentlicher Nahverkehr – seien längst bekannt und günstiger als fossile Alternativen. 

    Ottos abschließende Antwort auf die N1F-Frage ist: Ja, die Welt ist noch zu retten. »Wir als Menschheit verbocken zwar immer wieder viel, aber wir haben auch viele tolle Sachen erfunden, die das Leben für viele deutlich besser gemacht haben.«

     

    Produktion: ifbbw, Pool Artists
    Redaktion: Sophie Hübner, Jens Lubbadeh, Sophia Hubel
    Visuelle Produktion: Michael Pfister 
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„Können Maschinen denken?“, „Ist Demokratie die beste Staatsform?“, „Ist Armut erblich?“. Oder: „Existiere ich wirklich?“ Das sind einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, und auf die eine klare Antwort oft schwer zu finden ist. In dem Podcast „Nur eine Frage“ stellen wir diese vermeintlich simplen „Kinderfragen“ – der bestmöglichen Expertin, dem bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden konnten. Wir haken so lange nach, bis wir eine definitive Antwort bekommen, am besten in Form eines klaren „Ja“ oder „Nein“.
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Generated: 7/13/2026 - 4:14:58 AM